Jedes Jahr fallen allein in deutschen Haushalten und Kommunen Millionen Tonnen organischer Abfälle an, Grünschnitt, Gartenreste, Bioabfälle aus der Sammlung, Rückstände aus der Landwirtschaft. Was für viele nach Entsorgungsproblem klingt, ist für gut aufgestellte Betriebe längst eine Rohstoffquelle. Denn wer Kompost richtig siebt und aufbereitet, gewinnt daraus hochwertige Komposterde, wertvolle Substrate für den Gartenbau oder effiziente Brennstoffe für die Energieerzeugung.
Die Biomasseaufbereitung steht dabei am Anfang jeder Verwertungskette und entscheidet maßgeblich darüber, was am Ende daraus wird. Stimmt die Trennung nicht, leidet die Qualität der Endprodukte. Stimmt sie, entsteht ein sauberer Kreislauf mit echtem wirtschaftlichem Mehrwert.
In diesem Artikel erfahren Sie, welche Materialien sich für die Aufbereitung eignen, wie der Siebprozess beim Kompost sieben technisch funktioniert, welche Anlagentechnik sich bewährt hat und welche typischen Fehler Sie von Anfang an vermeiden sollten.
Was ist Biomasseaufbereitung und warum lohnt sie sich?
Welche Materialien zählen zur Biomasse?
Der Begriff ist breiter, als viele denken. Zur aufbereitbaren Biomasse zählen unter anderem:
- Grünschnitt und Grüngut aus kommunaler Sammlung und Gartenbaubetrieben
- Gartenreste wie Rasenschnitt, Laub und Strauchschnitt
- Bioabfälle aus Haushalten und der Lebensmittelverarbeitung
- Landwirtschaftliche Reststoffe wie Ernterückstände und Stroh
- Holzige Bestandteile aus Gehölzschnitt und Durchforstung
Entscheidend ist: Nicht jedes Material eignet sich für denselben Verwertungsweg. Feines Material aus Laubschnitt verhält sich im Siebprozess völlig anders als grobe Astware.
Die Aufbereitungstechnik muss darauf abgestimmt sein.
Die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile
- Kostensenkung: Weniger Material muss teuer deponiert werden
- Erlöspotenzial: Hochwertige Komposterde, Substrate und Brennstoffe lassen sich verkaufen
- Klimaschutz: Aufbereitete Biomasse ersetzt fossile Energieträger und mineralische Düngemittel
- Kreislaufwirtschaft: Organische Reststoffe bleiben im Nährstoffkreislauf statt verloren zu gehen
- Rechtliche Konformität: Das Kreislaufwirtschaftsgesetz verlangt die vorrangige Verwertung vor der Entsorgung
Kurz gesagt: Wer Biomasse aufbereitet, spart auf der einen Seite Kosten und erschließt auf der anderen Seite neue Einnahmequellen.
Kompost sieben als Schlüsselprozess
Warum Sieben vor dem Kompostieren entscheidend ist
Die drei Fraktionen der Biomasseaufbereitung
| Fraktion | Korngröße | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Feinfraktion | 0 – 10 mm | Komposterde, Humus, Gartenbausubstrate |
| Mittelfraktion | 10 – 50 mm | Rückführung in Kompostierung, Biogasanlage |
| Grobfraktion | ab 50 mm | Häcksler, Bio-Brennstoff für Heizkraftwerke |
Feinfraktion (0–10 mm):
Dies ist in vielen Fällen das wirtschaftlich wertvollste Produkt des gesamten Prozesses. Feine, gleichmäßige Komposterde lässt sich direkt als Naturdünger oder Bodenverbesserer in der Landwirtschaft und im Gartenbau einsetzen. Die Qualität hängt entscheidend davon ab, wie sauber die Trennung im Siebprozess erfolgt.
Mittelfraktion (10–50 mm):
Diese Fraktion enthält organisches Material, das noch nicht vollständig zersetzt ist. Sie wird entweder zurück in die Kompostmiete gegeben, um weiter zu verrotten, oder direkt als Ausgangsmaterial für Biogasanlagen genutzt. In manchen Anwendungen ist sie das primäre Zielprodukt des Siebprozesses.
Grobfraktion (ab 50 mm):
Größere Holzstücke, Äste und unvollständig zerkleinerte Gartenreste landen in der Grobfraktion. Sie wandern entweder zurück in den Zerkleinerer oder werden als Bio-Brennstoff energetisch verwertet, beides sinnvollere Optionen als die Deponie.




Doppeltrommel-Siebanlagen: Warum die Technik den Unterschied macht
Funktionsprinzip der Doppeltrommel-Technologie
Herkömmliche Einzel-Trommelsiebanlagen trennen ein Material lediglich in zwei Fraktionen: grob und fein.
Für einfache Anwendungen reicht das. Für professionelle Biomasseaufbereitung ist es zu wenig.
Unsere ZEMMLER® Doppeltrommel-Siebanlagen nutzen zwei hintereinandergeschaltete Siebbereiche mit unterschiedlichen Maschenweiten. Das Ergebnis: In einem einzigen Durchgang entstehen drei sauber getrennte Fraktionen. Das spart Zeit, reduziert Betriebskosten und erhöht die Qualität jeder einzelnen Fraktion, weil das Material nicht mehrfach aufgegeben und umgelagert werden muss.
Flexibilität durch austauschbare Siebbeläge
Ein entscheidender Praxisvorteil moderner Siebtechnik sind die wechselbaren Drahtsiebbeläge. Die Maschenweite lässt sich dadurch schnell und ohne großen Aufwand an das jeweilige Aufgabegut anpassen. Grünschnitt, feuchter Kompost, Grüngut mit hohem Holzanteil, jedes Material hat andere Anforderungen an die Trennkorngröße.
Wer die Siebbeläge flexibel austauschen kann, ist immer optimal eingestellt.
Siebanlagen im Vergleich: MS 16 Pro und MS 36 Pro von Zemmler
Zemmler MS 16 Pro –
kompakt und kommunaltauglich
Die MS 16 Pro ist auf kleinere und mittlere Aufbereitungsmengen ausgelegt. Mit einer Siebfläche von 11 m² und einer Siebleistung von bis zu 30 m³/h eignet sie sich besonders für kommunale Grüngutanlagen, Garten- und Landschaftsbaubetriebe sowie kleinere Recyclingunternehmen. Ihr geringes Gewicht macht sie leicht transportierbar, wodurch sie direkt vor Ort eingesetzt werden kann, um Transportwege zu sparen und die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.
Für Anwendungen ohne direkten Stromanschluss ist optional ein Dieselgenerator mit praktischem Auszug verfügbar.
Zemmler MS 36 Pro –
leistungsstark für anspruchsvolle Projekte
Die MS 36 Pro ist die Wahl für größere Projekte und schwierigeres Gelände. Mit ihrer Siebfläche von 23 m² und einer Siebleistung von bis zu 100 m³/h bietet sie deutlich mehr Kapazität. Das Raupenfahrwerk eignet sich besonders für geländegängige Einsätze und ermöglicht einen flexiblen Einsatz auf wechselnden sowie unebenen Geländeabschnitten. Der rein elektrische Antrieb (32 A) sorgt für emissionsarmen Betrieb, optional auch mit Dieselaggregat oder Akkupack erhältlich. Trotz des maximalen Gesamtgewichts von 7000 kg bleibt sie containerfähig und gut transportabel.
Direkter Vergleich:
| Kriterium | MS 16 Pro | Ms 36 Pro |
|---|---|---|
| Siebfläche | 11 m² | 23 m² |
| Siebleistung | bis 30 m³/h | bis 100 m³/h |
| Mobilität | Raupenmobil | Raupenmobil, containerfähig |
| Antrieb | Optional Diesel | Elektrisch (32 A), opt. Diesel/Akku |
| Typischer Einsatz | Kommunal, GaLaBau | Große Projekte, wechselnde Standorte |
Kompostierung: Vom Grünschnitt zur hochwertigen Humuserde
Kompostierung funktioniert immer, die Frage ist nur, wie gut. Unsortiertes Material bildet dichte, schlecht belüftete Schichten.
Die Mikroorganismen, die organisches Material abbauen, brauchen Sauerstoff. Fehlt der, wird die Rotte langsam, unvollständig und produziert im schlimmsten Fall Faulgas statt Humus.
Vorgesiebter Kompost, das in seiner Körnung gleichmäßig ist, belüftet sich in der Miete deutlich besser. Der biologische Abbauprozess läuft schneller und vollständiger ab. Das spart Zeit und Platz auf der Anlage, weil das Material schneller durchläuft.
Zusätzlich empfiehlt sich eine Nachsiebung: Nach der Kompostierung entfernt ein weiterer Siebgang die Reste, die trotz Verrottung noch zu grob sind. Das Endergebnis ist eine homogene, feine Komposterde, die auf dem Markt höhere Preise erzielt als grobkörnige Ware.
Qualitätsmerkmale guter Komposterde
Komposterde, die als Bodenverbesserer oder Dünger vermarktet werden soll, muss bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. In Deutschland gibt es für Fertigkompost die RAL-Gütesicherung (RAL-GZ 251), die Grenzwerte für Schwermetalle, Fremdstoffanteile und den Reifegrad vorschreibt. Wer Kompost nach RAL produziert, hat auf dem Markt einen klaren Vorteil, Kommunen und Landwirtschaftsbetriebe kaufen bevorzugt gütegesicherte Ware.
WichtigeQualitätsparameter:
- Feinheit und Gleichmäßigkeit der Körnung
- Niedriger Fremdstoffanteil (< 0,5 % bei RAL-Gütesicherung)
- Ausreichender Rottegrad (mindestens Rottegrad III nach LAGA)
- Schadstofffreiheit (Schwermetallgrenzwerte nach BioAbfV)
Biomasse als nachhaltige Energiequelle
Biogasanlagen: Aufbereitung steigert die Gasausbeute
Heizkraftwerke und Bio-Brennstoffe
Aus Grünschnitt und holzigem Grüngut lassen sich durch gezielte Aufbereitung hochwertige Bio-Brennstoffe gewinnen. Die Grobfraktion aus dem Siebprozess wie Äste und größere Holzanteile, können nach dem Häckseln als Holzhackschnitzel oder Brennstoffpellet in Heizkraftwerken und Biomasseheizungen eingesetzt werden.
Voraussetzung dafür ist ein definierter Wassergehalt und eine möglichst einheitliche Stückgröße. Beides wird durch eine vorgeschaltete Siebung und gegebenenfalls mit einer Trocknung erreicht. Je sauberer und definierter die Fraktion, desto besser der Heizwert und desto attraktiver der Verkaufspreis.
Praxisteil:So setzen Sie die Biomasseaufbereitung und das Sieben von Kompost konkret um
Materialannahme und Eingangskontrolle
Biomasse bei der Anlieferung auf Störstoffe prüfen: Plastik, Glas, Steine oder andere Fremdstoffe müssen vor der Verarbeitung entfernt werden. Eine visuelle Eingangskontrolle ist Pflicht.
Vorzerkleinerung (bei grobem Material)
Grobe Äste und Stammabschnitte werden durch Häcksler oder Schredder auf handhabbare Größe (< 150 mm) reduziert. Das verbessert sowohl den Siebprozess als auch die spätere Kompostierung.
Erste Siebung (Vorsiebung)
Die Siebanlage trennt das Material in die drei Fraktionen. Feingut wird direkt dem Kompostierungsprozess zugeführt, Mittelgut ebenfalls, Grobgut geht zurück zum Zerkleinerer oder wird energetisch verwertet.
Kompostierung
Das vorgesiebte Fein- und Mittelgut wird in Kompostmieten aufgesetzt und regelmäßig umgesetzt. Belüftung und Feuchtigkeitskontrolle sind entscheidend für die Rottequalität.
Nachsiebung
Nach ausreichendem Rottegrad (mindestens 8–12 Wochen je nach Material und Witterung) wird der Kompost erneut gesiebt. Grobanteile, die noch nicht vollständig zersetzt sind, werden aussortiert und erneut kompostiert.
Qualitätsprüfung und Dokumentation
Beprobung des Fertigkomposts auf Schwermetalle, Fremdstoffgehalt und Rottegrad. Dokumentation für die Güteüberwachung oder interne Qualitätssicherung.
Vermarktung
Fertige Komposterde, Substrate und Brennstoffanteile werden an Landwirtschaft, Gartenbau, kommunale Betriebe oder Energieversorger geliefert.
Checkliste fürBetriebe & Kommunen
- Eingangskontrolle auf Störstoffe etabliert
- Vorzerkleinerung für grobes Material vorhanden
- Siebanlage auf Materialart und Korngröße abgestimmt
- Siebbeläge regelmäßig auf Verschleiß und Maschenweite geprüft
- Kompostierungsprotokoll geführt (Datum, Umsetzungen, Temperatur)
- Nachsiebung nach Abschluss der Kompostierung eingeplant
- Laboranalysen für Vermarktung durchgeführt
- Verwertungswege für alle drei Fraktionen definiert
- RAL-Gütesicherung geprüft (falls Kompostvermarktung geplant)
Häufige Fragen zur Biomasseaufbereitung & Kompost sieben
Was ist der Unterschied zwischen Grünschnitt und Bioabfall?
Muss ich Biomasse vor dem Kompostieren sieben?
Welche Siebanlage eignet sich für kommunale Grüngutanlagen oder Recyclinghof Deponien?
Das hängt vom Materialvolumen ab. Für kleinere Kommunen mit bis zu einigen Tausend Tonnen Jahresaufkommen eignet sich eine kompakte Anlage wie die MS 16 Pro (bis 30 m³/h, 11 m² Siebfläche). Für größere Mengen oder wechselnde Standorte empfiehlt sich eine leistungsstärkere Anlage wie die MS 36 Pro mit bis zu 100 m³/h.
Kann ich nasses oder feuchtes Material sieben?
Ja – mit der richtigen Anlage. Doppeltrommel-Siebanlagen sind in der Regel so konstruiert, dass sie auch mit feuchtem Ausgangsmaterial umgehen können. Allerdings können bei sehr nassem Material die Siebbeläge schneller zusetzen. In der Praxis empfiehlt sich eine gewisse Vorlagerung und Belüftung bei sehr feuchtem Material.
Welche Genehmigungen brauche ich für eine Kompostierungsanlage?
Das hängt von der Anlagenkapazität ab. Kleinere Anlagen (unter 10 t/Tag) sind in vielen Bundesländern genehmigungsfreigestellt oder nur anzeigepflichtig. Größere Anlagen benötigen eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung nach BImSchG. Außerdem greift die Bioabfallverordnung (BioAbfV) für die Verwertung von Bioabfällen auf landwirtschaftlichen Flächen. Im Zweifel frühzeitig die zuständige Behörde kontaktieren.
Wie schnell amortisiert sich eine Siebanlage?
Das variiert stark nach Anlagentyp, Materialvolumen und Erlösstruktur. Als grobe Orientierung:
Wer durch die Aufbereitung Deponiegebühren spart und gleichzeitig verkaufsfähige Komposterde produziert, kann eine mobile Anlage der MS 16 Pro Klasse unter günstigen Bedingungen in zwei bis vier Jahren amortisieren. Eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung ist projektspezifisch und lohnt sich vor jeder Investitionsentscheidung.
